Besteigung Mt. Cameroon

   Besteigung von Mt. Kamerun

Am Samstag den 16. Mai kam ich in Buea an und traf dort Phillip, mit dem ich den höchsten Berg Kameruns am nächsten Morgen in Angriff nehmen wollte. Wir hatten erst geplant nur einen Führer und keine Träger zu nehmen, aber im Touristenoffice überzeugten sie uns schnell dass man pro Person auch einen Träger nehmen sollte, da man für die Dreitagestour die wir uns vorgenommen hatten mindestens neun Liter Wasser pro Person mitnehmen muss und zusammen mit Schlafsäcken, Essen, Regenzeug, Kameras, Ersatzschuhe, Isomatten usw. ist das ganz schön viel zu tragen. Wir gaben das Wasser und das meiste Essen zu den Trägern, hatten aber trotzdem jeder noch 15kg zu tragen. Die Träger hatten so 23kg, aber viel schlechtere Rucksäcke, uralte Tragegestelle die mal Rucksäcke waren, auf die alles mit Schnüren gebunden wurde und einer hatte sogar nur einen Nylonsack durch den Anschnallgurte als Träger gezogen waren. Auch die Schuhe von ihnen ließen sehr zu wünschen übrig. Nur einer hatte ausgelatschte Turnschuhe, die andern liefen mit Badelatschen den Berg hoch. Ich kam mir schon fast ein bisschen doof vor mit meinen Bergschuhen und dem Rucksack mit super Tragesystem. Aber wenigstens gaben wir nicht alles Gepäck den Trägern wie es die meisten Weißen machen. Dummerweise haben wir ihnen auch noch den Teil aufgepackt der  mit jedem Schluck Wasser das wir tranken und allem was wir aßen leichter wurde, unser Gepäck dagegen blieb immer gleich schwer. Am letzten Tag hatten wir mehr als unsere Begleiter zu tragen. Zeitweise haben wir unserer Entscheidung so viel selbst zu tragen gnadenlos verflucht. Wenn man schon fünf Stunde einen sehr steilen Hang hoch gestapft ist und man weiß, man hat grade erst die Hälfte, jeder Muskel in den Beinen schmerzt, irgendwas drückt vom Rucksack und die Füße tun auch weh, dann versteht man nicht mehr welcher Teufel einen geritten hat als man, ehrgeizig beschlossen hat selbst etwas zu leisten.

Um zehn gingen wir in Buea los. Die erste Zeit ging der Weg durch tropischen Wald und Farmland. Es war heiß und feucht. Ich glaube ich habe noch nie vorher so sehr geschwitzt, alles hat nur noch getropft, war aber kein Problem, da es ja noch warm war. Irgendwann kamen wir zur ersten Hütte, dieses Camp wird normalerweise nur als Unterschlupf bei Regen genutzt. Hier machten wir eine kurze Pause, bis wir von Bienen vertrieben wurden. Ich weiß nicht was die Bienen so Interessant an uns fanden, wir mussten uns regelrecht mit einem Besen verteidigen um nicht gestochen zu werden. Wir haben es aber geschafft stichfrei zu entkommen. 

Bald kamen wir zum Waldrand. Hier gibt es einen heiligen Stein an dem unsere einheimischen Begleiter den Berggott anbeteten dass er uns auf den Berg hinauf und auch wieder herunter lässt. Dann sangen sie und wir mussten dazu tanzen um den Berg freundlich zu stimmen und zum Schluss wurde noch eine dose Cola geopfert. Mit dieser Vorbereitung konnten wir uns getrost zur nächsten Etappe aufmachen.

Auf 2500m Höhe kamen wir zu einem anderen Heiligtum auf dem Berg, der „magic Tree“. Dieser schon ziemlich tot aussehende Baum ist der einzige weit und breit und gilt deshalb als etwas Übernatürliches. Von hier gingen wir ohne weitere Pause bis zur zweiten Hütte wo wir die Nacht verbringen wollten. Dieses Camp ist das am meisten benutzte. Es besteht aus zwei Wellblechhütten die in verschieden Räume aufgeteilt sind. Die Führer machten gleich ein Feuer in einem der Räume und fingen an zu kochen. Ich weiß nicht wie die schwarzen den Rauch in der Hütte aushielten. Ich und Phillip blieben jedenfalls die meiste Zeit draußen. Wir schliefen alle zusammen in demselben Raum in dem auch das Feuer war. Solange man lag war der Rauch kein Problem, aber es war nicht ratsam aufzustehen, wenigstens war es aufgrund des Feuers schön warm. Nachdem wir etwas gegessen hatte zeigte uns der Führer noch eine Höhle in der Nähe. Wir gingen so weit in die Höhle hinein bis wir ohne Seil nicht mehr weiter kamen. Anscheinend hat diese Höhle eine Verbindung zu einer anderen Höhle 1000m weiter oben die wir am nächste Tag anschauten. Es gibt zahlreiche Höhlen am Mt. Kamerun, wegen der häufigen vulkanischen Aktivitäten. Es gibt auch immer wieder kleine Höhlen in denen es sehr heiß ist. Es war am oberen Teil des Berges sehr angenehm sich die Hände in einem dieser Felslöcher zu wärmen.

Abends unterhielten wir uns über den Berg und die Führer erzählten uns einige der zahlreichen Geschichten die sich um den Berg ranken. Vor allem die Geschichten vom letzten Ausbruch des Vulkans in 1999 waren interessant.

Kurz nach dem Beginn des Ausbruchs entdeckten einheimische einen Fremden der am Rand eines der Krater seine Hütte gebaut hatte. Sie fragten ihn was er dort mache, er antwortete nur, dass Gott ihn gesandt hätte um das Feuer zu schüren. Einige Zeit später gingen wieder Leute hoch um den Mann zu hohlen, aber er war nicht mehr dort, nur noch seine Hütte. Alles um den Krater herum war mit Steinen und Lava des Ausbruchs bedeckt, aber die Hütte hatte nichts abbekommen.

Bei diesem Ausbruch hatten die Leute in den Umliegenden Dörfern große Angst dass die Lava bis zu ihren Häusern komme könnte, deshalb holten sie einen der traditionellen Doktoren zu Hilfe. Dieser sagte sie müssen einen Albino dem Berg opfern, da Menschenopfer aber nicht mehr erlaubt sind wurden drei Albinotiere geopfert und der Berg wurde ruhig. Unsere Begleiter sind auf dem Berg zuhause. Sie gehen fast jede Woche ein bis zweimal hoch und schon ihre Väter und Großväter haben auf dem Berg gejagt und Pflanzen gesammelt. Aber trotz dem dass ihnen jeder Stein und jeder Strauch bekannt ist haben sie einen großen Respekt vor diesem Berg, sie wissen dass sie überhaupt keine Chance haben wenn der Berg sie nicht auf sich dulden will. Ein einziger Stein, von tausenden die bei einem Ausbruch durch die Luft fliegen, oder einer der anscheinend zahlreichen unterirdischen Lavaströme in die sogar Bäume Einsinken, kann ihr Ende sein.

Am nächsten Morgen wurde erst Tee gekocht den wir aus abgeschnittenen Plastikflaschen tranken, dann packten wir unsere Sachen zusammen, hoben die Rucksäcke auf die etwas schmerzenden Schultern und machten uns auf den Weg zum Gipfel.

Die meiste Zeit ging es grade, ohne Serpentinen sehr steil den Berg hoch. Es war neblig und kalt. Auf 3700m kamen wir zum letzten Camp das als zuflucht bei Regen dient. Nach einer kurzen Rast brachen wir zum Gipfel auf.

Der Gipfel ist nicht sehr spektakulär, vor allem da er meist in den Wolken ist. Anscheinend gibt es pro Jahr nicht mehr als 10-15 Tag an denen man richtig Sicht von Gipfel hat. Auch wir hatten nicht das Glück. Es war extrem stürmisch, es war sogar schwierig aufrecht zu stehen und vor allem war es furchtbar kalt, da wir noch nass geschwitzt waren. Ich habe es nicht so kalt erwartet, wir sind doch in Afrika!

Nach ein paar Gipfelfotos machten wir uns schnell auf den Weg runter. Wir gingen auf der anderen Seite runter, da wir eine Bergüberschreitung machen wollten.

Der erste Teil des Abstiegs ging sehr flott, weil der Weg sandig war und man sich einfach rutschen lassen konnte. Bald kamen wir aber auf ein altes Lava Feld, hier zu gehen war sehr anstrengend, aber die Landschaft entschädigte. Rings um die erstarrte Lava sind sanfte Hügel die mit Gras bewachsen sind, das jetzt am Ende der Trockenzeit alles gelb ist. Im Hintergrund der Gipfel mit der charakteristischen Wolke daran vor einem sonst endlich mal blauen Himmel.

Als wir die Lava hinter uns hatten kamen wir auf eine Art Savanne. Hier legten wir uns eine Stunde in die sonne und ließen und aufwärmen. Es war schon fast wieder zu heiß und natürlich bekamen wir auch einen Sonnenbrand, obwohl wir uns eingekremt hatten. Die Äquatoriale Höhensonne ist einfach zu stark!

Von diesem Rastplatz kamen wir zu den Kratern des letzen Ausbruchs 1999. Damals brach der Berg an 36 stellen auf, 20 der Krater lagen jetzt vor uns. Die Ganze Umgebung war auf den ersten Blick vollkommen schwarz, beim näher kommen sah man dann aber alle möglichen Farben, von Gelb über grüne, bis rot. Besonders in den noch rauchenden und nach Schwefel stinkenden Kratern gibt es die Farbenfrohsten Steine. Es ist schon ein komisches Gefühl wenn man in einen Krater reinschaut aus dem gelber Rauch aufsteigt. Was würde passieren wenn dieses Loch jetzt grade etwas Lava ausspucken will?

Wir gingen an den Kratern vorbei und kamen dahinter auf einen Abhang aus ganz schwarzem Vulkansand. Wir liefen ungefähr eine Stunde durch diese einfach nur schwarze Umgebung. Ich sah überhaupt kein Leben auf diesem Sand, keine Pflanze, keine Ameise, nicht mal eine Fliege. Der Sand ist sehr fein, wir haben uns vorgestellt, dass man sicher gut mit Skiern runterfahren könnte. Am Rand der Mondlandschaft sahen wir dann schon einzelne Gräser die die Wüste wieder langsam zurückerobern. Am nächsten Tag kamen wir auch an Lavaströmen vom 1982 vorbei. Diese sind schon fast ganz bewachsen. Es ist beeindruckend zu sehen wie schnell die Pflanzen so ein totes Gebiet wieder in Besitz nehmen könne.

So gegen fünf kamen wir zu dem Camp wo wir die Nacht verbringen wollten. Es war eine Grashütte am Waldrand. Diesmal wurde das Feuer nicht in der Hütte gemacht. Trotzdem mussten wir nicht frieren, da wir wie die Sardinen schliefen. Am Dienstag, dem letzten Tag unserer Bergwanderung, ging es wieder zurück nach Buea. Ich fand diesen Tag am anstrengendsten, da einmal die Beine schon am Morgen beim Aufstehen schmerzten und zweitens es steil und rutschig bergab ging. Der Weg war aber sehr schön. Die meiste Zeit ging es durch praktisch unberührten Regenwald wie man ihn sich vorstellt. Riesige Farne, Bäume die so zusammengewachsen sind dass man nicht mehr weiß ob es zwei oder neun einzelne waren, Cameleons und alles tropft obwohl es nicht regnet. Wir waren auch bald wieder total nass, von dem Wasser das wir von den Blättern streiften und vom schwitzten. Als wir endlich unten im Dorf waren, war ich sehr froh meinen Rucksack endlich absetzen zu können.

Ich glaube ich habe vorher noch nie eine warme Dusche so geschätzt wie an diesem Abend!